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Wir alle wissen, dass deutsche Gerichte überlastet sind und die Verfahren sich über Jahre hinziehen können. Darüber hinaus gibt es Bereiche im Rechtswesen, die nicht gerade für ihren „Sex-Appeal“ bekannt sind, so auch das Mietrecht. Dennoch kommt es immer wieder zu kuriosen Fällen in diesem Rechtsbereich, bei denen selbst hartgesottene Juristen ins Staunen kommen. Wir haben deshalb die Top 5 der kuriosesten Mietrechtsurteile zusammengefasst:

5. Platz - Igel sind leider keine Haustiere

Igel sind lieb und süß, sind nach deutscher Rechtsprechung jedoch Wildtiere und dürfen deshalb nicht in einer Wohnung gehalten werden. Zu diesem Urteil kam das Amtsgericht Berlin-Spandau (AZ 12 C 133/14), nachdem der Vermieter einer Mieterin gekündigt hatte, die in ihrer Wohnung eine Auffangstation für verletzte Igel betrieb. Vorausgegangen waren Beschwerden der Anwohner, die sich durch den unangenehmen Geruch belästigt fühlten, da dieser durch das Treppenhaus in deren Wohnungen zog.

4. Platz - Fleißige Ameisen bereiten eine Invasion vor

Schädlingsbefall kann Mieter unter gewissen Umständen zur Mietminderung berechtigen, sofern diese in großem Umfang auftauchen und die Mietsache dadurch erheblich beeinträchtigt ist. Dies wollte auch ein Mieter aus NRW beweisen und protokollierte fleißig, wie viele Ameisen sich in seiner Wohnung bewegen – nach einem halben Jahr hatte er 27 Stück gezählt. Für den Mieter Grund genug, einen Mietminderungsanspruch abzuleiten und einen Teil der Miete einzubehalten. Der Vermieter klagte gegen die Mietkürzungen, um die ausstehenden Zahlungen zu erwirken. Das Amtsgericht Köln (AZ 213 C 548/97) gab dem Vermieter Recht und kam zu dem Urteil, dass 27 Ameisen in einem Zeitraum von sechs Monaten nicht zur Mietminderung berechtigen und keinen Mietmangel darstellen. Darüber hinaus folgten sie der Argumentation des Mieters nicht, es handele sich um einzelne Späher für eine Ameisen-Invasionsarmee.

3. Platz - Schnarchen als Grund für Eigenbedarfskündigung

Ein Mieter hat vergeblich gegen die Eigenbedarfskündigung seines Vermieters geklagt, denn der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet, um die Wohnung als Rückzugsort für seine Nachtruhe zu nutzen. Grund: Die Frau des Vermieters hat ihn wegen zu lautem Schnarchen aus dem Ehebett verbannt. Das AG Sinzig (AZ 4 C 1096/97) folgte der Argumentation des Vermieters und sah pathologisches Schnarchen als zulässigen Grund für eine Eigenbedarfskündigung an.

2. Platz - Nachtruhe wird durch Liebesspiel auf der Sexschaukel gestört

Wir bleiben in deutschen Schlafzimmern und widmen uns einer Lärmbelästigung der anderen Art. Lärmbelästigungen führen nämlich häufig zu Streit unter Nachbarn, vor allem wenn die nächtliche Ruhe gestört wird. Das Amtsgericht München hat jedenfalls befunden, dass das laute Quietschen und Kettenrasseln einer Liebesschaukel eine erhebliche Lärmbelästigung darstellt. Dem liebestollen Pärchen wurde aufgrund dieser Tatsache die Kündigung durch den Vermieter ausgesprochen. Die Handlungen des Liebespaars, so das Gericht, entsprächen „nicht mehr dem normalen Gebrauch der Mietsache“. (AG München 417 C 17705/13)

1. Platz - Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.

Auch im letzten kuriosen Mietrechtsurteil geht es um Liebe, nämlich um verschmähte Liebe. Nach dem Einzug einer neuen Mieterin begann der Vermieter mit dieser eine Affäre. Nach rund einem Jahr sollte aber Schluss sein, jedenfalls wollte es der Vermieter so. Er forderte die Mieterin zum Auszug auf, diese weigerte sich aber und wollte mit der Affäre anders abschließen. Sie verfasste unter falschem Namen eine Email an die Ehefrau des Vermieters und klärte sie über die Affäre auf. Die List wurde jedoch aufgedeckt und der Vermieter kündigte der Mieterin fristlos. Das Amtsgericht Gießen gab dem Vermieter Recht, denn sie sahen es als erwiesen an, dass die Fortsetzung des Mietverhältnisses nach Ende der Affäre unzumutbar war (AZ 48 C 176/15).

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