Mietminderung: Diese 5 Mängel werden selten gemeldet

Bei einigen Mietmängeln ist die Beeinträchtigung der Wohnqualität dermaßen immens, sodass sich Mieter vom ersten Moment an sicher sind, dass ihnen eine Mietminderung zusteht.

Im folgenden Beitrag haben wir von LAWIO fünf Mängel aufgelistet, welche von Mietern zu selten gemeldet werden und wodurch somit auf die Durchsetzung des eigenen rechtlichen Anspruchs verzichtet wird.

1) Die falsche Wohnfläche im Mietvertrag vermerkt

Sie besichtigen eine Wohnung, der Makler führt Sie durch das Mietobjekt und zack: Das ist sie! Die Wohnung, von der Sie jahrelang geträumt haben. Wunderschöner Dielenboden, geräumiges Bad mit Regendusche und Fußbodenheizung, eine freistehende Kochinsel. Sie sehen sich und Ihre Freunde schon mit einem Glas Rotwein von der Küche zum Balkon schlendern. Liebe auf den ersten Blick! Und selbst der Mietpreis ist moderat. Direkt am nächsten Tag unterschreiben Sie voller Vorfreunde den Mietvertrag und sehnen dem Mietbeginn entgegen.

Klar, in der Realität ist der Abschluss eines Mietverhältnisses meist nicht so emotionsgeladen. Manchmal braucht man einfach einen Tapetenwechsel oder der Job, die Liebe oder die Familie erfordern einen Umzug in eine größere Wohnung.

Wir von LAWIO wissen selbstverständlich nicht, welcher Beweggrund Mieter zum Umzug verleitet. Allerdings zeigt unsere tägliche Erfahrung, dass die Angaben zur Wohnfläche im Mietvertrag oftmals von der tatsächlichen Wohnfläche abweichen. Der Deutscher Mieterbund (DMB) schätzt, dass etwa 2/3 der Angaben inkorrekt sind.

Dabei ist es dieser Mietmangel verhältnismäßig einfach nachweisbar. So funktioniert die Mietminderung bei falscher Wohnfläche in zwei Schritten:

  • Holen Sie den Order mit dem Mietvertrag aus dem Schrank und schauen Sie nach, welche Quadratmeterzahl für Ihre Wohnung dort veranschlagt wurde.
  • Nehmen Sie sich einen Zollstock, ein Maßband oder ein Flächenmessgerät zur Hand und messen Sie die gesamte Wohnung aus.
  • Weicht der gemessene Quadratmeter-Wert um mehr als 10 Prozent von den Angaben im Mietvertrag ab? Falls ja, melden Sie diesen Mietmangel per Mängelanzeige beim Vermieter und berufen Sie sich auf Ihr Recht auf Mietminderung gemäß 536 BGB.

2) Gerüst am Haus

Im Briefkasten finden Sie eine Benachrichtigung vom Vermieter: „Im Zeitraum von TT.MM.JJJJ bis TT.MM.JJJJ findet die Sanierung der Fassade statt. In den folgenden Tagen wird Firma X das Gebäude einrüsten. Daher wird es zu Einschränkung bei der Nutzung der Fensterfront geben. Firma X wird ihr Möglichstes tun, um die Arbeiten schnellstmöglich zu beenden.
Wir bitten diesen Umstand zu entschuldigen
.“

Punkt. Die Einrüstung des Gebäudes passt Ihnen nicht besonders, weil es schon angenehm wäre, während der heißen Sommertage lüften zu können. Doch wenn der Vermieter die Sanierung bereits Wochen im Voraus ankündigt, muss dieser Umstand wohl von den betroffenen Mietern hingenommen werden.

NEIN!

Auch, wenn der Vermieter die Einrüstung der Fassade und die anschließenden Streicharbeiten frühzeitig angekündigt hat: Ein Mietmangel besteht laut Gesetz, sobald die Mietsache erheblich eingeschränkt wird, dem Mieter der Mangel vor Vertragsunterschrift nicht bekannt war und die Arbeiten nicht im Zuge von energetischen Modernisierungen durch den Eigentümer bzw. die Hausverwaltung angeordnet waren.

Prüfen Sie daher jetzt, ob ein Anspruch auf Mietminderung wegen eines Baugerüsts besteht.

3) Unbekannte Heizungsausfälle

Heizungsausfälle werden besonders an kalten Wintertagen von Mietern wahrgenommen. Viele Mieter verzichten jedoch darauf, die Heizung im Winter anzuschalten, um Heizkosten zu sparen. Grundsätzlich eine lobenswerte und ressourcensparende Variante. Es ist nur dann ungünstig, wenn man die Heizung dann zum späteren Zeitpunkt benötigt und sie dann nicht funktionstüchtig ist. Es ist zwar löblich, wenn man an kalten Tag auch mal auf dicke Socken und Pullover zurückgreift, dennoch sollte diese Variante kein unfreiwilliger Dauerzustand sein.

Defekte Heizungen stellen nämlich einen Mietmangel dar. Allerdings kann man die Miete gemäß §536 erst mindern, wenn einen Mangel zur Kenntnis genommen hat.

Daher sollten auch Sparfüchse bzw. Umweltliebhaber regelmäßig ihr Heizsystem auf Funktionstüchtigkeit überprüfen.

Prüfen Sie jetzt, ob Ihre Heizung funktionstüchtig ist und mindern Sie gegebenenfalls die Miete.

4) Unerträgliche Hitze in der Wohnung

Viele Menschen sehnen den Sommer Jahr um Jahr herbei. Endlich wieder am See liegen, auf den Grünflächen der Parkanlagen in der Sonne baden und die lauen Sommernächte unter klarem Himmel genießen.

Doch für viele Mieter birgt die Sommerzeit ein Problem in den eigenen vier Wänden: Hitze staut sich der Wohnung.

Im Sommer steigen die Temperaturen, damit muss man eben leben“ werden sich jetzt einige Mieter denken. Grundsätzlich stimmt das auch. Besonders Bewohner einer Dachgeschosswohnung müssen damit rechnen, dass sich die Hitze bei ihnen unter dem Dach anstaut.

Wenn sich Wohnungen in den unteren Etagen allerdings regelmäßig auf mehr als 30 Grad Celsius aufheizen, dann ist dies in der Regel ein Indiz, dass die Wohnung nicht über die notwendige Wärmedämmung verfügt. Eine unzureichende Wärmedämmung kann einen Mietmangel darstellen, welcher Mieter zur Minderung der Miete berechtigen kann.

5) Baulärm in der Nachbarschaft

Es ist Montagmorgen, 7:30 Uhr in der Früh und das Wochenende wird durch den ohrenbetäubenden Lärm eines Presslufthammers beendet. Mehr als ärgerlich für viele Mieter. Was viele Mieter jedoch nicht wissen: Baulärm kann eine Mietminderung rechtfertigen – auch, wenn dieser aus der Nachbarschaft kommt.

Aber für Lärm aus der Nachbarschaft kann ich doch nicht den Vermieter verantwortlich machen“ denken sich Mieter häufig. Damit eine Mietminderung wegen Baulärm gerechtfertigt ist, darf der Mietmangel gemäß §536 BGB lediglich nicht vom Mieter verschuldet worden sein. Ob der Vermieter den die Störung zu verantworten hat, ist im Gegenzug nicht entscheidend. Im Zuge der Mietrecht-Regelungen ist er nach §535 verpflichtet, die Nutzung der Mietsache im vertraglichen vereinbarten Zustand zu gewährleisten. Beeinträchtigt Baulärm vom Nachbargrundstück nun die Wohnqualität erheblich, liegt der rechtlich vereinbarte Zustand nicht vor und die Miete kann gemindert werden.

Ausnahmen greifen für diese Regelungen, sofern die Bauarbeiten ausdrücklich und rechtzeitig als energetische Modernisierungen angekündigt wurden oder es sich im städtische Baumaßnahmen handelt (bspw. der Bau einer Brücke), da dies dem Allgemeinwohl dient.