Was tun gegen feuchte Wände in der Wohnung?

Feuchte Wände sind der Alptraum eines jeden Mieters. Mit Recht, schließlich steigt die Gefahr von Schimmelbildung in einer Wohnung mit feuchten Wohnung exponentiell!

Eine Vielzahl von Ursachen kann zur Entstehung von feuchten Wänden beitragen.

Im folgenden Beitrag haben wir von LAWIO die wichtigsten Fragen zu feuchten Wänden in der Wohnung für Sie geklärt.

Nasse Wände haben stets eine Ursache!

Die Ursache von feuchten Wänden kann entweder baulich bedingt sein oder durch das falsche Heiz- und Lüftverhalten des Mieters verursacht werden.
Feuchte Wände sind gleich aus mehreren Gründen ein schwerwiegendes Problem, welches zum sofortigen Handeln zwingt.

Feuchtigkeit stellt die Hauptursache für die Bildung des gesundheitsschädlichen Schimmelpilzes dar. Der Schimmel findet im Holz und Holzwerkstoff, in Gips und Tapeten einen idealen Nährboden und kann sich schnell ausbreiten. Wird der Schimmelpilz nicht bekämpft, kann sich dieser auf Bodenbeläge, Teppiche, diverse Wandbeschichtungen, Kleidung, Bücher und Staub ausdehnen.

Eingeatmete Schimmelsporen schaden der Gesundheit und nicht selten werden Allergien und Erkrankungen der Atemorgane ausgelöst.

Daher ist es wichtig, gemeinsam mit dem Vermieter die Ursache für feuchte Wände und eine zu hohe Raumfeuchtigkeit zu eruieren und zu handeln.

Bevor Mieter wegen einer Minderung der Miete nachfragen, sollten sie jedoch das eigene Heiz- und Lüftungsverhalten reflektieren. Besteht eine Mitschuld an den feuchten Wänden?

Was sind die häufigsten Ursachen für feuchte Wände in der Wohnung?

Die Ursachen für feuchte Wände sind eine fehlerhafte Isolierung, eine schlechte Bausubstanz oder Fehlverhalten beim Lüften und Heizen.

Nur wenn die Gründe für Feuchtigkeit baulich bedingt sind, können Mieter das Minderungsrecht beanspruchen.

Hier eine Liste der häufigsten Ursachen:

Möblierung:
Wände werden gerne zu feucht, wenn große Möbel in keinem oder zu geringem Abstand zur Wand positioniert werden. Die Wand ist deutlich kühler als die Zimmertemperatur. Bei zu nahe aufgestellten Möbelstücken findet kein Luftaustausch mehr statt und somit setzt sich die Feuchtigkeit an den kühlen Wänden ab.

Ein Wandabstand von wenigen Zentimetern ist laut LG Mannheim NJW 2007, 2499 für eine gute Luftzirkulation ausreichen.
Laut LG Berlin MM 1987,290 ist es für den Mieter nicht zumutbar, dass der Abstand zwischen der Wand und großen Möbelstücken mehr als zehn Zentimeter beträgt.

Neubaufeuchtigkeit:
Wenn die Wände eines neu errichteten Hauses nicht vollständig ausgetrocknet sind, bleiben die Wände feucht. Ebenso sollten frisch verputzte Wände im Innen- und Außenbereich komplett trocknen, bevor Mieter einziehen.
Im Falle von Neubaufeuchtigkeit ist eine Mietminderung von etwa zehn Prozent gerechtfertigt. Alternativ können extra entstehende Kosten für das Heizen zwischen 15 und 20 Prozent geringer angesetzt werden.

Ein Minderungsanspruch kann abgelehnt werden, weil Mieter immer mit der Bildung von Schwitzwasser rechnen müssen, wenn sie in einen Neubau einziehen. Das verstärkte Heizen und Lüften ist gesetzlich vorgeschrieben.

Baubedingt nasse Wände:
Wände werden entweder baubedingt oder durch einen Baumangel nass. In diesen Fällen ist eine Mietminderung berechtigt.
Speziell in schlecht isolierten Wohnungen der Nachkriegszeit und nicht oder nur schlecht beheizten Nebenräumen finden sich häufig nasse Wände.

Zudem können Wände bei starken Regen oder eingebauten Isolierglasfenstern auftreten.

Wasserrohrbruch:
Eine weitere Ursache kann ein Wasserrohrbruch darstellen.

Regen:
Wenn feuchte Wände in zeitlichem Zusammenhang mit großen Mengen Niederschlag auftreten, handelt es sich um eine baubedingte Ursache.
Breitet sich die Feuchtigkeit im unteren Wanddrittel auf, kann eine schlechte Bodenisolierung der Grund sein. Die Feuchtigkeit kriecht von unten nach oben und breitet sich auf der oberen Wand aus.

Falsches Lüften, Heizen und Trocknen:
Wenn die Außen- und Zimmertemperatur große Unterschiede aufweist, bildet sich an der Wand Kondensfeuchtigkeit und im Nu sind feuchte Wände vorprogrammiert.
Daher sollten Mieter die Fenster keinesfalls zu lange kippen, sondern dreimal täglich stoßlüften. Lüften ist auch nach dem Baden, Duschen oder Kochen für ein gesundes Raumklima essenziell.

Technische Probleme:
Klimaanlagen, Spülmaschinen und Waschmaschinen können Wasser verlieren, welches sich seinen Weg durch das Mauerwerk plant.

Wie erkennt man feuchte Wände?

Kalte Wände:
Ein fühlbares Zeichen für eine zu hohe Feuchtig­keit im Mauer­werk ist die Temperatur der Wand. Grund hierfür ist, dass feuchte Wände Wärme leichter abtransportieren und die Wand sehr kühl ist.
Kondenswasser ist ein weiteres Indiz für feuchte Wände.

In durchfeuchteten Wänden ist das Raumklima schlecht, also feucht bis nass. In derartigen Räumen hat man trotz auf Hochtouren arbeitenden Heizungen das Gefühl, fortwährend leicht zu frieren. Aufgrund der Thermik können feuchte Wände keine Wärme speichern und sie fühlen sich kalt an.

Unschöne Flecken:
Feuchtigkeit erkennt man oftmals optisch an einer Fleckenbildung. Die Farbe der Stockflecken kann entweder gelblich sein oder man erkennt Stockflecken an einem Braunton.

Modriger Geruch:
Feuchte Wände hinterlassen einen unangenehmen, modrigen Geruch!

Gesundheitliche Beschwerden:
Wer plötzlich Problemen mit den Atemorgangen hat, Rheuma oder Beschwerden mit den Gelenken bekommt oder wenn das Immunsystem häufig angeschlagen ist, sollte seine Mietwohnung auf Schimmelbefall überprüfen. Feuchte Wände erkennt man auch daran, dass sich Schimmelpilz breitmacht.

Selber trocknen oder Vermieter kontaktieren? Wer haftet?

Als Mieter sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, die Wohnung ausreichend zu lüften, sodass sich kein Kondenswasser bildet.
Zudem müssen Mieter im Winter für eine Zimmertemperatur über 17 Grad Celsius sorgen.

Sollte kein Eigenverschulden vorliegen, müssen Mieter mit dem Vermieter Kontakt aufnehmen, um gemeinsam die Ursache herauszufinden. Sofern der Mietmangel nicht vom Mieter verschuldet wurde, besteht ein Anspruch auf Mietminderung bei Schimmelbefall in der Wohnung.

Es kann vorkommen, dass der Vermieter die Schuld nicht auf sich nehmen möchte. In diesem Fall versucht der Vermieter zu beweisen, dass die Ursache für die feuchten Wände beim falschen Lüftungs- und Heizverhaltens liegt. Es wird ein Sachverständiger beauftragt, der mittels Messungen feststellen kann, ob die Wand nur oberflächlich feucht ist oder ob auch das Innere der Wand von Feuchtigkeit befallen ist.
Ist nur die Oberfläche feucht, das Wandinnere jedoch trocken, liegt die Schuld beim Mieter, der falsch gelüftet oder geheizt hat.

Wenn eine schlechte Isolierung, undichte Stellen im Dach oder Mauerwerk oder ein Wasserrohrbruch die Ursache darstellt, trifft den Mieter keine Schuld.
Somit müssen die entsprechenden baulichen Maßnahmen auch nicht vom Mieter bezahlt werden. Wenn es der Zustand des Hauses nötig macht, übernimmt der Vermieter die Kosten für die notwendigen baulichen Maßnahmen.

Tipp:
Das Argument, dass das Fenster durchgehend gekippt war, reicht nicht aus! Die Schrägstellung des Fensters führt oftmals dazu, dass die darunter- oder danebenliegenden Wandbereiche sehr stark auskühlen. Auf Dauer gekippte Fenster können im Badezimmer oder in der Küche die Bildung von Schimmel sogar begünstigen!

Was passiert, wenn feuchte Wände zu spät entdeckt werden?

Sich in der Wohnung ausbreitende, unentdeckte Feuchtigkeit kann verheerende Folgen haben. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit werden sowohl die Wände als auch die Böden und die Decke feucht. Feuchte Gemäuer stellen einen hervorragenden Nährboden für Schimmelpilz dar.

Häufig erkennt man Feuchtigkeit in der Wohnung durch Stockflecken. Dabei handelt es sich um gelblich bis bräunliche Verfärbungen an den Wänden, Vorhängen oder sogar Möbelstücken.

Durch die Feuchtigkeit in der Wand entsteht ein unangenehmer modriger Geruch. Die eingeatmeten Schimmelsporen sind für Mensch und Tier giftig und können Krankheiten wie Atemwegsbeschwerden und Allergien hervorrufen.

Zudem schädigen feuchte Wände die Bausubstanz des Hauses. Wer Feuchtigkeit entdeckt, sollte sofort handeln!

Welche Pflichten haben Mieter?

Mieter haben dem Vermieter gegenüber eine Anzeigepflicht. Man spricht in diesem Kontext von der Mängelanzeige gemäß §536c BGB. Dies bedeutet, dass der Vermieter umgehend über feuchte Wände informiert werden muss. Wer dem Vermieter nicht von den feuchten Wänden berichtet, macht sich schadensersatzpflichtig und muss folglich für die entstandenen Kosten aufkommen.

Mieter sind verpflichtet, die ausreichend zu lüften und alle Räume Winter auf mindestens 17 Grad Celsius aufzuheizen.
Wurde wirklich jeden Tag mindestens dreimal stoßgelüftet? Oder wurde eventuell zu lange und zu häufig gelüftet? Wurde die Wohnung ausreichend beheizt?

Als Mieter müssen Sie mit Ihrem Vermieter in Kontakt treten. Nur gemeinsam können Sie eruieren, warum die Wände feucht sind.
Die Feuchtigkeit kann entweder durch eine schlechte Isolierung entstehen oder das Dach kann undicht sein. Es ist auch möglich, dass das Mauerwerk eine oder mehrere undichte Stellen aufweist.
Oftmals wird ein Wasserrohrbruch gar nicht oder erst zu spät bemerkt. Durch das in die Wand sickernde Wasser werden die Wände nicht nur außen, sondern auch innen feucht. Natürlich trifft in diesen Fällen von baulichen Mängeln den Mieter keinerlei Schuld.
Allerdings treten feuchte Wände häufig durch das inkorrekte Lüftungs- und Heizverhalten des Mieters auf.

Auch zu häufiges und langes Lüften im Winter zu feuchten Wänden führen.

Der Vermieter muss beweisen, dass nicht ein bauliches Problem vorliegt, sondern der Mieter dafür verantwortlich ist. Für die Beweiserbringung wird ein Sachverständiger kontaktiert, der die Ursache eruieren soll.

Wie hoch sind die Minderungsquoten bei feuchten Wänden?

Die Mietminderungsquote bei Mietminderungen aufgrund von Schimmelbefall ist vom jeweiligen Ausmaß der Gebrauchsbeeinträchtigung abhängig. Eine pauschale Angabe ist nicht möglich, da je nach Einzelfall entschieden wird.